LR3 vs. C1 vs. Capture NX2

Wie ich bereits im letzten Artikel angekündigt habe, möchte ich Euch ein paar Details zur Bildbearbeitungssoftware „Capture One 5 Express“ von Phase One näher bringen. C1 (Kurzschreibweise für Capture One) ist zur Zeit auf der aktuellen Ausgabe der FOTOHITS enthalten und somit für lediglich 2,50€ zu haben. Gute Software für RAW-Konvertierung und Bildbearbeitung gibt es mittlerweile ja wie Sand am Meer. Doch wer soll bei der Masse an Software noch wissen, welche die richtige für seine tägliche Fotoarbeit ist?Dabei spielt nicht so sehr der Preis eine Rolle, sondern vielmehr der eigenen Anspruch an die Software. Ich selbst möchte z.B. nicht erst tagelang ein dickes Handbuch lesen oder einen Kurs besuchen müssen, um den grundlegenden Umgang einer Software zu erlernen. Vielmehr ist für mich z.B. eine recht intuitive und einfache Bedienung wichtig.Ich selbst nutze bisher das kostenfreie Tool „ViewNX 2“ von Nikon. Damit lassen sich die aufgenommen RAW-Dateien recht einfach und intuitiv übertragen, entwickeln, grundlegend bearbeiten und auch konvertieren. Das war es dann aber auch schon. Bibliothektsfuntkionen, tiefgreifende Bearbeitungen oder ähnliches sind damit jedoch nicht möglich.Nun habe ich aber festgestellt, dass ich schon gern mehr aus meinen Bildern herausholen möchte und das ich dafür eine andere bessere Software benötige. Nur welche? Ein verregnetes Wochenende und die kostengünstige Express-Version von C1 veranlassten mich, mögliche Kandidaten genauer unter die Lupe zu nehmen. Als da wären: C1-Express, Lightroom3 und Capture NX2. Also schnell noch die Testversionen bei Adobe und Nikon heruntergeladen, installiert und los ging es. Bei dem von mir anstellten Überblick/Vergleich soll es gar nicht so sehr auf die Möglichkeiten der Bildbearbeitung ankommen, als vielmehr auf den Einstieg für einen Anfänger, wie ich es einer bin.

Als Nikon-Nutzer habe ich mir als erstes Capture NX2 angesehen…und war schnell recht enttäuscht. Der Aufbau der Software erschließt sich einem Anfänger nicht gleich und man muss so ziemlich jedes Menü durchgehen, bis man die gesuchte Funktion gefunden hat. Die Anordnung der Menüs auf der Oberfläche empfand ich als wenig durchdacht und recht unübersichtlich angeordnet. Als Anwender findet man recht langsam den Einstieg in die Software. Man hat mehr den Eindruck, dass man vor der eigentlichen Nutzung erst einen Kurs bei Nikon besucht haben muss, um die Software vernünftig nutzen zu können. Mit etwas Geduld findet sich die gewünschten Funktionen und Menüs dann schon, aber so wirklich ausgereift ist das nicht. So vergeht einem schnell die Lust daran, sich tiefgreifender mit der Software zu beschäftigen. Eine vernünftige Bibliotheksfunktion ist mir leider ebenso verborgen geblieben wie die Möglichkeit, wiederkehrende Änderungen oder Bearbeitungsschritte zu speichern. Gut möglich das diese vorhanden sind, ich habe sie aber leider nicht finden können. So habe ich für mich nach recht kurzer Zeit beschlossen, dass Capture NX2 für mich als Anfänger und Einsteiger nichts ist und habe es so gleich wieder von der Festplatte verbannt.

Als nächstes habe ich mir den Klassenprimus Adobe Lightroom 3 angesehen. Die Testversion ist für 30 Tage voll funktionsfähig und uneingeschränkt nutzbar. Nach dem Start der Software wird man von einer klar gegliederten Oberfläche empfangen deren Bedienung als idiotensicher zu bezeichnen ist. Die Hauptmenüs sind in mehrere Kategorien unterteilt: Bibliothek, Entwickeln, Diashow, Drucken und Web. Je nach gewähltem Menü verändert sich der Inhalt der Menüleisten am rechten Bildschirmrand. Diese ist wiederum, je nach gewähltem Hauptmenü, in mehrere Untermenüs gegliedert deren Bedeutung und Funktion sich schon auf den ersten Blick erschließen. Dabei kann man die Untermenüs einfach ein- oder ausklappen und reduziert so die sichtbaren Einstellmöglichkeiten, die Oberfläche ist nicht zu überladen und man kann sich auf das wesentliche konzentrieren. Alle Änderungen an den Bildern kann man über einfache Schalter ab- oder zuschalten und kann so recht schön vergleichen. Lightroom speichert die Änderungen und Bearbeitungsschritte übrigens in einer Datenbankdatei an einem zentralem Ort auf dem PC.

Was mich als Einsteiger wirklich begeistert hat, ist die Bibliotheksfunktion von Lightroom. Der Import von Bildern erfolgt wirklich sehr schnell und man kann bereits bei diesem Schritt erste Bearbeitungen vornehmen. So kann man z.B. Schlagworte vergeben, die Bilder mit einem Wasserzeichen versehen, Kategorien einteilen oder die Bilder für sich bewerten. Innerhalb der Bibliothek kann man dann selbstverständlich diverse Filter aktivieren um in seiner Bilderflut die Fotos wieder zu finden ­čśë Fotos lassen sich z.B. auch zu Stapeln zusammenfassen, was sehr praktisch bei Serienbildern oder Belichtungsreihen ist. Weiterhin kann man z.B. auch die META-Daten bereits in einem Preset abspeichern und so sehr bequem bei einem Import auswählen oder sich mehrere Presets anlegen um diese dann zu verwenden.Auch beim Entwickeln der RAW-Dateien ist die Speicherung der vorgenommenen Änderungen in Presets möglich. Einmal abgespeichert kann man diese dann einfach auf andere Fotos anwenden ohne jede Einstellung mühsam von Hand erneut vornehmen zu müssen. Was mich beim Entwickeln fasziniert hat, ist die Möglichkeit, Schnappschüsse und virtuelle Kopien der Fotos anzulegen. Dabei bleibt das Original unangetastet und man arbeitet lediglich an der virtuellen Kopie. Diese ist übrigens keine vollständige Kopie der Bilddatei sondern halt nur eine virtuelle Kopie. Der Vorteil dabei ist, dass diese virtuelle Kopie nur einen Bruchteil des Platzes auf der Festplatte in Anspruch nimmt, wie das Original.Des Weiteren ist die Bedienung insgesamt für mich sehr intuitiv und leicht zu durchschauen. Sicherlich wird man auch hier nicht um das Lesen eines guten Buches zu Lightroom herumkommen, wenn man es in all seinen Details und Stärken nutzen möchte. Aber die Software macht einem den Einstieg doch schon sehr leicht. Auch jetzt noch bietet der EDV-Buchversand die Möglichkeit, Lightroom 3 für gerade einmal 100€ (statt 299€) zu erwerben.


Als letzter verbleibender Kandidat an dieser Stelle bleibt noch Capture One 5 Express. C1 empfängt einem nach dem Start mit einer recht dunklen aber sehr aufgeräumten Oberfläche. Diese wird von der zentralen Bearbeitungsfläche in der Mitte dominiert. Auf der linken Seite findet man noch Navigationsleiste und am unteren Bildschirmrand die Bildlaufleiste. Der Zugriff auf die verschiedenen Menüs erfolgt entweder über die Menüleiste am oberen Bildschirmrand oder über leicht verständliche Icons, die oberhalb der Bearbeitungsfläche verteilt angeordnet sind. Ähnlich wie bei Lightroom sind auch hier die Menüs in mehrere Kategorien unterteilt, die sich ebenso auf- und zuklappen lassen. Dies sorgt für eine auf das wesentliche reduzierte Arbeitsfläche, die dennoch den schnellen Zugriff auf die wichtigsten Menüs zulässt. Die Menüs sind mit eindeutigen Überschriften gekennzeichnet, so dass man jederzeit die gesuchten Funktionen schnell findet.Capture One glänzt bei der Entwicklung Fotos mit der Möglichkeit, verschiedene Varianten eines Fotos zu erstellen. Diese sind quasi ein Abzug vom Original und nehmen auf der Festplatte nur einen Bruchteil des Originals in Anspruch. Ein weitere Vorteil beim Arbeiten mit Varianten ist die Tatsache, dass das Original von der Bearbeitung nicht beeinflusst wird. Hat man mehrere Varianten eines Fotos, so kann man auch diese sehr bequem stapeln, was natürlich der Übersichtlichkeit bei vielen Bildern zu gute kommt.Die vorgenommen Änderungen können auch in der Express-Version von Capture One 5 als so genannte „Voreinstellung“ gespeichert werden. Dies erleichtert die Bearbeitung vieler Bilder und der Anwender ist somit nicht gezwungen, jeden Schritt von Hand nach zuführen. Eine sehr feine Sache die den Presets in Lightroom ähnelt. Leider muss man diese Voreinstellungen für jedes Untermenü (bzw. Einstellungsmöglichkeit) separat speichern. Die Pro-Version ermöglicht das Speichern dieser Einstellungen in so genannten Stilen. Dies tut der Express-Version jedoch keinen Abbruch. Als Einsteiger ließe sich damit leben. Die Menüführung im Allgemeinen ist auch bei C1 sehr klar gegliedert, intuitiv und einsteigerfreundlich. Die verschiedenen Menüs erschließen sich einen mehr oder weniger sofort ohne das man ewig lang suchen muss. Die Möglichkeiten der Bearbeitung sind auch in der Express-Version auf Pro Niveau so das man nichts vermisst. Ok, die Objektivkorrektur fehlt aber ich als Einsteiger kann darauf verzichten. Einen Überblick zu den Unterschieden der Express- und der Pro-Version findet Ihr übrigens hier.

Ein weiteres Plus bei C1 ist die Möglichkeit, eine Art HDR-Bearbeitung durchzuführen. Mittels 2 Schieberegler können Schatten und das Spitzlicht verändert werden. Da mit hier aber die Erfahrung fehlt, kann ich über die genauen Auswirkungen und die Qualität dieser Funktion keine Aussage treffen.Etwas, was mich nicht so sehr überzeugen konnte, ist die Bibliotheksfunktion von C1. Zwar kann man bei C1 verschiedene Alben anlegen, aber die Möglichkeit der Vergabe von z.B. Schlagwörtern blieb mir leider verborgen. Auch kann man die META-Daten beim Import nur in begrenztem Umfang verändern. Nachträglich ist die Änderung dieser Daten zwar auch in größerem Umfang möglich, jedoch habe ich in der kürze der Zeit keine Möglichkeit gefunden, diese für mehrere Bilder gleichzeitig zu ändern. Wer seine Bilder jedoch auf der Festplatte nach einem eigenen Schema speichert und verwaltet, den sollte auch dies nicht weiter stören.

Was mir aber so überhaupt nicht gefällt bzw. stört ist die Tatsache, dass C1 die Änderungen und Bearbeitungsschritte der Fotos nicht in einer Datenbank an zentraler Stelle speichert, sondern in Dateien, die wiederum in Unterordnern in den Bildordnern abgelegt werden. Dies hat zur Folge, dass in jedem Ordern, der für die Bildbearbeitung genutzt wird, mindestens 2 weitere Ordner angelegt werden die wiederum 4 Ordner beinhalten. Weiterhin findet man in diesen Ordnern dann Kopien der Originale, die zwar nicht 100% so groß sind aber immerhin gut 80%. Soll heißen wenn das Original ca. 10MB groß ist, wird in den Unterordnern eine Kopie mit ca. 5-7MB abgelegt. Dies ist im Grunde nicht weiter schlimm…es ist halt ein anderes Konzept. Für mich ist dies aber ein quasi k.o.-Kriterium da ich es absolut nicht mag, wenn man auf der Festplatte eine übersichtliche Baumstruktur mit zig Unterordnern entsteht. Irgendwann ist man dann mal an einem Punkt wo man Speicher braucht und anfängt aufzuräumen. Und die Gefahr, dass man dabei diese Ordner löscht ist jedenfalls bei mir recht hoch.Schlussendlich gefällt mir C1 g sehr gut und ich denke, dass einem mit dieser Software alle Möglichkeiten offen stehen. Würden die ganzen zusätzlichen Ordner nicht angelegt, so wäre diese Software für mich 1. Wahl…da man, so glaube ich, nichts vergleichbares zu diesem Preis findet.


Fazit: Nikon Capture NX2 ist meiner Meinung nach nichts für Anfänger und Einsteiger. Einem Profi erschließen sich die vielfältigen Möglichkeiten sicherlich am Ehesten.Lightroom ist für Anfänger und für Profis absolut empfehlenswert. Gerade vor dem Hintergrund, dass es momentan zu einem unschlagbar günstigen Preis angeboten wird.Wem das noch zu teuer ist und wer sich an massig Unterordnern auf seinem Rechner nicht stört, dem würde ich ruhigen Gewissens C1 ans Herz legen. Für 2,50€ kann man nichts falsch machen und man erhält eine wirklich ausgezeichnete Software.Ich selbst habe mich mittlerweile für Adobe Lightroom 3 entschieden, da mir der Update Preis bei C1 einfach viel zu hoch ist und mich die Lightroom vor allem mit der ausgezeichneten Bibliotheksfunktion überzeugt hat.
Über Kommentare und Kritik, positive wie negative, würde ich mich freuen!

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